Studio CENTRIC in Stuttgart schließt nach 30 Jahren

Großes geschlossenes Tor mit rotem Schild „Studio geschlossen“ im Stil Old Masters Light als Symbolbild zur Schließung des Studio CENTRIC in Stuttgart
Symbolbild zur Schließung des Studio CENTRIC in Stuttgart nach über 30 Jahren

Zum 1. Juni 2026 schließt das CENTRIC Studio & Clinic in der Stuttgarter Charlottenstraße 38 seine Türen. Damit endet ein Stück Stuttgarter Stadtgeschichte. Das Domina-Studio bestand über 30 Jahre. Inhaberin Madame Lorett hat sich auf der Webseite des Studios mit einem persönlichen Statement von Gästen und Wegbegleiterinnen verabschiedet. Aus dem Umfeld des Studios sind zudem Hintergründe zu den rechtlichen Entwicklungen und den Folgen für die Beteiligten bekannt geworden.

In ihrem öffentlichen Abschied schreibt Madame Lorett:

„Es gibt Worte, die man nie schreiben wollte. Diese hier gehören dazu. Nach über 30 Jahren schließt das CENTRIC seine Türen. Nicht, weil uns die Leidenschaft verlassen hätte, oder uns die Menschen fehlen würden, die zu uns kommen. Sondern weil die Stadt Stuttgart und die geltende Rechtslage uns keinen Raum mehr lassen, das weiterzuführen, was wir mit so viel Herzblut und Hingabe aufgebaut haben.“ (Lese das gesamte Statement auf der Website des Studio CENTRIC.)

Sie dankt ihrem Team und den Gästen, die das CENTRIC nach ihren Worten zu „einem Ort jenseits des Alltäglichen“ gemacht haben. „Ein Ort, an dem man sein durfte, wer man ist.“ Und sie schließt mit einem Satz, der den Charakter dieses Hauses zusammenfasst: „Das CENTRIC schließt zum 01. Juni. Aber was hier entstanden ist – zwischen Menschen, in stillen Räumen, hinter geschlossenen Türen – das kann niemand schließen.“

Das Studio CENTRIC schließt – warum eigentlich?

Auslöser der Schließung ist eine Verkettung gesetzlicher und baurechtlicher Entwicklungen, die mit dem Inkrafttreten des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG) am 1. Juli 2017 begann. Seitdem benötigen Prostitutionsbetriebe in Deutschland eine behördliche Erlaubnis. Diese Erlaubnis wird über § 14 Abs. 2 Nr. 5 ProstSchG mit dem örtlichen Baurecht verknüpft: Die Erlaubnis nach dem Prostituiertenschutzgesetz setzt voraus, dass die Nutzung baurechtlich zulässig ist.

Genau hier setzt die Stuttgarter Besonderheit an. Bereits 2012 hat der Gemeinderat eine Vergnügungsstättenkonzeption beschlossen, nach der Bordelle, bordellartige Betriebe, Wettbüros sowie Vergnügungsstätten des Spiel-, Erotik- und Sexgewerbes in nahezu allen Baugebieten der Stadt ausgeschlossen werden sollen. Auf dieser Grundlage hat der Gemeinderat am 27. Oktober 2016 den Bebauungsplan „Vergnügungsstätten und andere Einrichtungen im Stadtbezirk Stuttgart-Mitte“ (Stgt 265.5) als Satzung beschlossen.

Damit sind im gesamten Stadtbezirk Mitte – und damit auch in der Charlottenstraße – derartige Nutzungen mit Ausnahme eines eng begrenzten Zulässigkeitsbereichs innerhalb des sogenannten City-Rings nicht mehr zulässig. Für das benachbarte Leonhardsviertel, traditionell die „rote Meile“ der Stadt, hat der Gemeinderat im Dezember 2024 zusätzlich einen eigenen Bebauungsplan beschlossen (Stgt 265.6), der dort Bordelle und bordellartige Betriebe vollständig ausschließt.

Aus dem Umfeld des Studios ist zu hören, dass die Betreiberseite den Rechtsweg ausgeschöpft habe. Eine Genehmigung wurde letztlich nicht erteilt.

Das CENTRIC befand sich in der Charlottenstraße 38 in der Stuttgarter Innenstadt. In einer belebten Gegend, in der sich unter anderem eine Gay-Sauna, ein Spielcasino und ein Sexshop befinden. Auffällig war das Studio von außen nicht: An der Tür stand lediglich klein „Centric“ am Klingelschild.

Nach Angaben aus dem Umfeld des Studios arbeiteten dort über die Jahre zeitweise rund 25 Frauen. Nicht alle gleichzeitig oder dauerhaft, aber als Arbeitsplatz, an dem sie sich registriert hatten und ihrer Tätigkeit nachgingen. Aus den Reihen der Beteiligten wird das Haus übereinstimmend als ein Ort mit besonderer Atmosphäre beschrieben, der sich von anderen Studios spürbar unterschieden habe, als „zweites Wohnzimmer“, in dem kollegiales statt konkurrierendes Arbeiten möglich war.

Warum Studio CENTRIC nicht einfach neu eröffnet

Auf den naheliegenden Gedanken, einfach ein neues Studio in Stuttgart zu eröffnen, gibt es eine ernüchternde Antwort: Der Weg zu einer Konzession ist komplex und bürokratisch.

Zunächst muss ein Vermieter gefunden werden, der einen Prostitutionsbetrieb in den Räumlichkeiten erlaubt. Erst danach kann beim Amt eine Genehmigung beantragt werden, die jedoch in den meisten Lagen am Bebauungsplan scheitert.

Hinzu kommen erhebliche Auflagen: ein Sicherheitskonzept, Videoüberwachung, ein polizeiliches Führungszeugnis sowie eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts. Selbst dann kann die Behörde die Konzession verweigern, wenn sie der Auffassung ist, die antragstellende Person sei mit der Aufgabe nicht zuverlässig genug betraut.

Mit der Schließung des CENTRIC verliert Stuttgart ein seit Jahren etabliertes Domina-Studio. Das Angebot im Raum Stuttgart ist sehr überschaubar.

Die Konsequenzen für die Beteiligten sind erheblich. Die Inhaberin verliert die Grundlage für ihr Unternehmen. Die im Studio tätigen Frauen verlieren ihren Arbeitsplatz, mit allen sozialen, finanziellen und persönlichen Folgen, die ein solcher Einschnitt mit sich bringt.

Domina Miss Bella Lugosi schilderte auf X ihre persönliche Sicht auf die Entwicklung:

„Als regelmäßige Gast-Lady, die 4- bis 5 Mal im Jahr erschien und dort viele treue Gäste habe, trifft Mich dies sowohl emotional als auch wirtschaftlich mit voller Wucht. Studio Centric ist eines der ältesten Studios Deutschlands – seine Bedeutung für die Landschaft und die BDSM-Kultur Deutschlands kann kaum hoch genug eingeschätzt werden.

Für Mich war es ein wahrhaftiges Zuhause fern der Heimat. Ein Ort, an dem Ich das volle Potenzial Meiner Kreativität entfesseln konnte. Ein Ort, an dem Ich so viele außergewöhnliche Ladies traf und unzählige zutiefst berührende Sessions erlebte. Studio Centric war eine wahre Institution.“

Was bleibt?

Was im CENTRIC verloren geht, lässt sich nicht ohne Weiteres ersetzen. Aus den Reihen der Beteiligten wird ein besonderer Umgangston beschrieben, ein wertschätzendes Team, kollegiale statt konkurrierende Arbeitsbeziehungen und ein Ort, an dem Gäste wie Arbeitende „so sein konnten, wie sie sind“. Diese Atmosphäre wird maßgeblich Madame Lorett zugeschrieben, die das Haus über drei Jahrzehnte geprägt hat und die in ihrem Abschiedstext genau diesen Gedanken aufnimmt. Sie beschreibt das Studio CENTRIC als einen Ort, an dem Menschen „zum ersten Mal den Mut gefunden“ hätten, sich zu zeigen.

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Quellen: Abschiedsstatement von Madame Lorett auf der Webseite des CENTRIC Studio & Clinic, Hintergrundinformationen aus dem Umfeld des Studios und von Subs aus Stuttgart. Der Artikel basiert teilweise auf Aussagen aus dem Umfeld des Studios. Die rechtlichen Hintergründe werden ohne Gewähr wiedergegeben.

Von

Lady Sas ist Femdom- und BDSM-Autorin sowie Herausgeberin von Lady-Sas.com. Seit 2013 publiziert sie fundierte Guides, Interviews und Bücher zu Femdom, BDSM, Female-Led Relationships (FLR), Cuckolding, Keuschhaltung und Sissyfication. Ziel ihrer Arbeit ist es, zu informieren und zu inspirieren: Lady Sas ermutigt Frauen, ihre dominante Seite bewusst zu leben, und unterstützt Subs dabei, ihre Rolle zu finden, zu verstehen und mit Freude auszufüllen. Immer einvernehmlich, sicher und praxisnah.

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