Miss Courtney Morgan: die fürsorgliche Sadistin

Schwarz-weißes Tuscheporträt einer blonden Frau mit selbstbewusstem Blick und schwarzem hochgeschlossenem Outfit.
Künstlerische Tuscheillustration zum Porträt von Miss Courtney Morgan.

Miss Courtney Morgan. Porträt einer britischen Domina zwischen Rohrstock, Kamera und Neuanfang auf Zypern

Teil unserer Reihe: BDSM-Persönlichkeiten im Porträt.


Manche Frauen entscheiden sich bewusst für ein Leben als Domina. Andere stolpern hinein und merken erst hinterher, dass sie angekommen sind.

Miss Courtney gehört nach eigener Darstellung zur zweiten Gruppe. Seit 2014 arbeitet sie als professionelle Domina. Ihre Karriere begann in Großbritannien. Inzwischen lebt sie auf Zypern. Über ein Jahrzehnt also. Wer ihre Videos und ihre Website durchgeht, findet dort nicht das, was viele erwarten. Kein Rollenspiel-Klischee. Keine Pose. Sondern eine Frau, die sehr genau erklären kann, was sie tut, warum sie es tut und wo ihre Grenzen liegen.


Ein Bikini, ein Fetischevent, ein Feuer

Der Anfang war ein Missverständnis.

In ihrem Video „How I became a Dominatrix“ aus dem Januar 2019 erzählt sie, dass sie damals für Spearmint Rhino arbeitete, eine Kette von Stripclubs. Man fragte sie, ob sie an einem Samstag bei einer Veranstaltung aushelfen könne. Bikini tragen, Flyer verteilen, mit Leuten reden. Kein Problem, dachte sie.

Dann stand sie in der Tür und begriff: Das war die Erotica. Ein großes Fetischevent. Um sie herum Latex, Korsetts, Puppies, Ponies. Sie in Heels und Bikini, mittendrin.

Sie beschreibt es als überwältigend. Aus dem einen Samstag wurde das ganze Wochenende. Und irgendetwas fing an zu brennen.

Zuhause googelte sie. Sie schrieb erfahrene Damen an und fragte nach Ausbildung. Niemand hatte Zeit. Also probierte sie es zunächst allein aus, per Webcam. Die Neigung sei ohnehin längst da gewesen, sagt sie: Schon als junges Mädchen habe sie enge Outfits geliebt, das Provokative, das Sinnliche. Und es sei immer eine Herausforderung gewesen, einen Mann zu finden, der genau das tat, was sie wollte.

Dann kam die Anfrage eines Fotografen über eine Modelplattform. Ein Shooting. Sie erinnert sich an den Morgen: kalt, trüb, sie musste den Zug nehmen, es ging an einen unbekannten Ort. Wahrscheinlich der Keller von irgendjemandem, dachte sie.

Es war das Stockport Dungeon.

Sie verliebte sich in den Raum. Princess Latina, die das Studio führte, fragte sie, ob sie kommen und ihre dominante Seite entwickeln wolle. Sie sagte ja.

Im Interview mit Mistress Sarah vom März 2024 erzählt sie diese Szene noch einmal, und zwar ehrlicher. Sie hielt das für einen netten Nebenjob am Wochenende. Ein bisschen Zusatzgeld. Parallel machte sie eine Ausbildung zur Lehrassistentin an einer Grundschule. Die Praktikumsstelle platzte. Einen Plan B hatte sie nicht.

Und dann, sagt sie, fiel plötzlich alles an seinen Platz. Energie, Aufregung, ein Gefühl von Kraft und von Erfolg.

Auf ihrer Website formuliert sie es nüchterner: Nach vielen Jahren in normalen Jobs, die ihr überhaupt keine Freude gemacht hätten, habe sie 2014 die Gelegenheit bekommen, zu lernen und Sessions anzubieten. Sie sei der BDSM-Welt dauerhaft dankbar für diese Bühne. Den Wunsch nach Kontrolle beschreibt sie dort als entspannend und aufregend zugleich.

Schwarz-weißes Tuscheporträt einer blonden Frau mit selbstbewusstem Blick und schwarzem hochgeschlossenem Outfit.

Miss Courtney Morgan


Miss Courtney Morgan arbeitet seit 2014 als professionelle Domina. Ihre Karriere begann in Großbritannien, heute lebt sie auf Zypern. Sie beschreibt ihren Stil als Verbindung aus Sadismus, Fürsorge und psychologischer Führung. Bekannt wurde sie auch mit Filmen aus dem OWK.


Fünf Jahre Suche und ein Partner, der schwieg

Was sie nicht tut: den Anfang verklären.

Neun Jahre habe sie damals gearbeitet, berichtet sie im Gespräch mit Mistress Sarah, und fünf davon seien vor allem Suche gewesen. Suche nach sich selbst, Suche nach ihrem Platz in der Szene. Sie ist klein. Sie ist blond. Nicht die Vorstellung, die die meisten von einer Domina haben.

Der schwierigere Teil dieser Jahre lag nach ihrer Schilderung zuhause.

Ihr damaliger Partner half beim Bau eines Dungeons in Wales. Ihre Deutung: vor allem, damit sie nicht mehr reisen musste. Sessions in seiner Anwesenheit lehnte er ab. Und wenn jemand nach ihrer Arbeit fragte, wurde das Thema gewechselt.

Sie beschreibt das Ergebnis in einem Satz, der sitzt: Es habe sich angefühlt, als gäbe es etwas, wofür man sich schämen müsste.

Sie tat etwas, das sie stark machte. Und sie durfte es nicht zeigen. Das nennt sie ein unterdrückendes Gefühl. Etwas habe sie festgehalten.

Irgendwann stand sie an einer Weggabelung. Links: das kleine, bequeme Leben mit ein paar Sessions. Rechts: das, was sie wirklich liebte.

Sie ging nach rechts. Trennung, Umzug nach London, erster eigener Dungeon. Über ihren früheren Partner spricht sie ohne Groll. Er sei glücklich, sagt sie, habe Frau und Kind.

Das ist eine Geschichte, die viele Leserinnen und Leser dieser Seite kennen. Nicht in dieser Deutlichkeit, aber im Muster. Ein Partner, der die Neigung des anderen nicht verurteilt, aber auch nicht mitträgt. Kein Streit. Nur Stille. Und irgendwann die Frage, wie lange man sich selbst kleiner macht, damit jemand anderes sich nicht unwohl fühlt.


Der Mann, der nicht wusste, was eine Domina ist

Der Kontrast könnte kaum größer sein.

Ihren heutigen Partner lernte sie über eine Dating-App kennen. Auf ihrem Profil stand nicht, was sie beruflich tut – sonst, sagt sie, hätte sie nur noch Anfragen bekommen statt Dates. Aber sie hatte für sich entschieden: Wer in ihr Leben kommt, muss damit umgehen können.

Am Tag des Treffens bestand sie auf einem Videocall. Erstens, um zu prüfen, ob er echt ist. Zweitens, um es zu sagen. Sie sei Domina. Sie sei gerade in einem Londoner Fetisch-Studio. Das sei sie. Wenn er kommen wolle, gern. Wenn nicht, auch in Ordnung.

Er wusste nach eigener Aussage gar nicht, was eine Dominatrix ist. Seine Vorstellung: Latex und gefesselte Menschen. Weiter reichte es nicht. Er ging trotzdem hin. Neugierig, wie er im selben Interview sagt, weil man so etwas nicht jeden Tag sieht und manche Menschen es nie sehen. Falls es nichts wird, so seine Logik, weiß er wenigstens, wie ein SM-Studio aussieht.

Er blieb vier Tage.

Nach ein paar Monaten erzählte er es seinen Eltern und Großeltern. Die Großmutter, berichtet Miss Courtney, habe gefragt, was denn eine Dominatrix sei. Und es dann ihren Freundinnen damit erklärt, Courtney stecke Leute in Käfige.

Zum Zeitpunkt des Interviews waren die beiden nach ihrer Schilderung seit rund fünf Jahren zusammen. Schwiegereltern und Sklaven säßen bei ihr gemeinsam am Esstisch.

Ihre Haltung dazu ist klar, und sie formuliert sie fast schroff: Mein Haus steht dir offen. Brauchst du Hilfe, bin ich da. Akzeptierst du nicht, was ich tue, habe ich keinen Platz für dich.


Ein Boot, ein Ozean, eine Sexkolumne

Vieles davon erklärt sich aus ihrer Herkunft, wie sie sie schildert.

Die Mutter Südafrikanerin, der Vater Engländer. Sechs Jahre lang bauten die Eltern im Garten in Südafrika eine Yacht. Als Courtney etwa acht war, segelte die Familie los: über den Atlantik, an Brasilien vorbei, in die Karibik. Sie wuchs in Antigua auf. Mit 16 kam sie zum Studium nach England. Auf ihrer Website fasst sie das so zusammen: Ihre Eltern wollten ein Leben voller Abenteuer. Genau so wuchs sie auf.

Ihre Großmutter, sagt sie, war Journalistin und schrieb eine Sexkolumne. Ihre Familie beschreibt sie als frei, akzeptierend, offen. Und sie benennt, was das wert war. Ihre Mutter sei von Anfang an eingeweiht gewesen. Courtney habe sie nach dem ersten Studio-Besuch angerufen und erzählt, was sie dort alles gesehen hatte. Später schickte sie ihr Fotos von Sessions. Die Mutter war auf ihrer Seite. Am meisten habe sie sich über eines gefreut: die Unabhängigkeit ihrer Tochter.

Das Kind, das sie war, beschreibt sie trotzdem als sehr still. Ernst, aufmerksam, meist im Hintergrund und alles genau beobachtend. Die Teenagerin sei dann wild gewesen. Partys, ständig unterwegs und zugleich zutiefst unsicher. Ständig neue Menschen und ständig der Versuch, sich zu verändern, damit man ins Bild passt, das diese Menschen von einer Freundin hatten. Anstrengend, sagt sie. Und traurig.

Über die Mechanik dahinter spricht sie sehr klar: Als Teenagerin werde man in eine Kiste gesteckt. Man sei unsicher über die Welt und über sich selbst, also versuche man, in die Vorstellung einer idealen Frau zu passen. Damit man später einen Mann findet, ein Kind bekommt, sich niederlässt, normal lebt.

Und dann kommt der Satz, der aus dem gesamten Interview am längsten nachhallt:

Sie sei nicht verantwortlich für die Gefühle anderer Menschen. Mag jemand sie, gut. Mag jemand sie nicht, auch gut. Sie könne die Wahrnehmung anderer nicht ändern.

Wer die Frau vor 2014 mit der Frau von heute vergleicht, sagt sie an anderer Stelle, sehe zwei völlig verschiedene Menschen. Früher habe sie keine Grenzen setzen können, aus Angst, ausgeschlossen zu werden oder jemanden zu enttäuschen. Heute mache sie einfach nicht, was sie nicht will.

Ihr eigenes Bild dafür: Ihre Seele leuchte jetzt. Vorher sei sie ein bisschen dunkel gewesen, ein bisschen traurig.


„Girlfriend gone bad“: ihr Stil

Auf ihrer Website beschreibt Miss Courtney ihren Spielstil mit einem Begriff, den man sich merken kann: girlfriend gone bad.

Das Prinzip: Sie locke mit einem süßen, fröhlichen Auftreten – und binnen eines Moments knie man zitternd vor ihr. Elegant, schlagfertig, immer neckend. Einschüchternd. Und trotzdem solle man sich bei ihr sicher fühlen.

Ihre Vorlieben benennt sie dort offen: Sie liebe alles, was mit Schmerz zu tun hat. Corporal Punishment, CBT, Bondage, Nippelspiele. Und Dinge, bei denen ein zufälliger Beobachter ungläubig nach Luft schnappen würde.

Ein Satz von ihrer Website gehört in jede Diskussion darüber, was Femdom eigentlich ist. Wobei sie ausdrücklich für sich spricht, nicht für die Szene: Für sie persönlich gehe es bei BDSM nicht um Sex, sondern um Intimität auf einer viel tieferen Ebene. Das Maß an Vertrauen, Nähe und Verbindung zwischen einer Mistress und einem Sub sei etwas wirklich Besonderes.


Was sie über das Handwerk sagt

Hier wird es für alle interessant, die selbst spielen. Egal auf welcher Seite.

Kopf vor Körper. BDSM sei zu etwa 95 Prozent psychologisch, sagt sie. Alles sei Fantasie, Wahrnehmung, mentale Stimulation. Ob jemand auf Schwarz steht oder auf rote Nägel oder auf die Peitsche – der Reiz entstehe im Kopf.

Das Skalensystem. Sie arbeite mit einer Skala von 1 bis 10, wobei 10 die persönliche Grenze markiert. Während des Spiels frage sie ab. Zwei? Dann könne sie schieben. Sieben? Dann gehe sie ein Stück weiter und danach wieder zurück. Parallel lese sie Körpersprache, Ausdruck, Energie.

Kein Limit ist kein Angebot. Wer ihr sage, er habe keine Grenzen, werde nicht angenommen. Ihre Begründung dreht die übliche Richtung um: Nicht der Sub sei damit in Gefahr, sondern sie. Wer so etwas sage, sei nicht ehrlich. Und in eine Situation, in der jemand nicht ehrlich mit ihr ist, begebe sie sich nicht.

Ausbildung ist Pflicht. Sie hatte Glück und lernte bei Princess Latina. Aber sie habe auch Bücher gekauft, recherchiert und sich gezielt Videos erfahrener Kolleginnen zu bestimmten Kinks angesehen, um Technik zu verstehen. Beim Caning müsse man den Sweet Spot treffen. Wahllos überall zu schlagen sei gefährlich. Ihr Rat an Neulinge: Bildet euch, besucht Workshops, fragt nach. Keine einzige Kollegin habe ihr je Hilfe verweigert.

Diskretion ist Verantwortung. Die Identität von Gästen sei geheim. Punkt. Für Fotos und Videos brauche es Zustimmung. Ihre Begründung: Jemand komme mit seinem tiefsten, wahrsten Selbst zu dir. Du habest die Verantwortung, ihn zu schützen.

Sicherheit gilt auch für sie. Wer eine Session möchte, bewirbt sich über ihre Website, zahlt eine Anzahlung per Überweisung und hinterlässt eine Telefonnummer. Damit existiert eine Spur. Nicht als Druckmittel – Diskretion sei absolut – sondern für den Fall, dass jemand ihr gegenüber übergriffig wird. Kein Geldbedarf rechtfertige eine unsichere Session. Man lade diese Person in sein Zuhause ein, in seinen Dungeon.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigen zwei Fälle, die sie im Gespräch mit Mistress Sarah schildert.

Der erste: ein Spanking-Tag am OWK. Ein Besucher sei so nervös gewesen, dass er zitterte. Sie habe gedacht, gleich renne er zur Tür hinaus. Also fragte sie ihn, was er heute tun wolle. Seine Antwort: Er wünsche sich, den Rohrstock ertragen zu können. Sie sagte ihm, sie machen das zusammen, und zwar langsam. Courtney Morgan berichtet, dass sich die Gesamtzahl im Verlauf des Tages auf rund 400 Schläge summiert habe, davon etwa 100 bis 120 mit dem Stock – mit einem leichten Rohrstock, nicht ihrem bösesten. Was sie daran bewegte, war nicht die Zahl. Es war, dass sie ihm ermöglicht hatte, einen Traum zu erreichen.

Der zweite: ein Sub, der bei seinem ersten Besuch kategorisch erklärt habe, ihn interessiere ausschließlich Flogging und niemals der Rohrstock. Der Weg dorthin lief nach ihrer Schilderung nicht über Überredung, sondern über Zeit. Essen gehen, Museum. Vanilla-Ebene. Verbindung. Mit der Zeit habe ihn zunehmend ihre eigene Freude am Rohrstock erregt. Schließlich schlug er selbst vor, es zu versuchen. Zwei Jahre nach seinem ersten Besuch, so ihre Angabe, nahm er 55 Schläge mit dem kalten Rohrstock.

Wichtig ist ihr dabei ein Punkt: Sie habe das nicht angeschoben. Wer ihr sage, sein Kink sei dieser eine, bekomme genau den.


Grenzen sind kein Versagen

Manche Subs, so Miss Courtney, verschweigen ihre Limits. Aus Scham oder aus Angst, die Herrin zu enttäuschen. Sie kommen an und sagen: Mach mit mir, was du willst. Ich halte das aus.

Und dann hält er es nicht aus.

Miss Courtneys Position dazu ist einfach: Wir sind keine Hellseherinnen. Wir spüren viel, wir vermuten viel, aber wir wissen nichts, solange du nicht ehrlich bist. Nur mit klaren Grenzen holst du das Maximum aus der Begegnung heraus. Und nur so bleibt sie sicher.

Ihre Selbstbeschreibung fällt im Interview eher nebenbei und trifft es trotzdem am besten: eine fürsorgliche Sadistin.

Sie sei von Natur aus sadistisch, sagt sie, und bekomme einen echten Kick aus sadistischen Dingen. Und gleichzeitig sei ihr jeder Mensch in ihrem Leben wichtig. Wenn ihr jemand sage, wie sehr sie sich gekümmert habe. Das sei das, womit sie verbunden werden möchte.

Sie liebe es, sadistisch zu sein, aber sie liebe auch all ihre Männer. Sie sollen sicher sein. Sie sollen glücklich sein.


Keuschhaltung: praktisch, nicht romantisch

Warum sie Keuschhaltung liebt, sagt sie klar: Es erlaube ihren Subs, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und sie bekomme einen erotischen Kick daraus, Orgasmen zu kontrollieren, Menschen so aufgeregt und so verzweifelt nach Erlösung zu machen.

Der Rest ist bei ihr Handwerk, kein Mythos. Es gebe kein „one size fits all“, und die Arbeit an der richtigen Passform sei die Aufgabe des Subs, nicht der Herrin. Sie sagt sehr deutlich, dass viele zu ihr kommen und sich den Käfig aussuchen lassen wollen. Das mache sie nicht. Messen, Rezensionen lesen, Menschen mit ähnlichem Alltag suchen.

Am schönsten ist ihre Lösung für die Schlüsselfrage. Neben Zahlenschlössern und Timer-Boxen hat sie eine eigene Lieblingsvariante: Schlüssel in ein großes Glas Wasser, Glas ins Gefrierfach. Wer nachts verzweifelt, muss warten, bis das Eis schmilzt. Und kommt in dieser Zeit hoffentlich zur Vernunft.


„The Acre of Correction“

Ihr Anwesen in Hereford trägt einen Namen, den sie nach eigener Erzählung selbst erst später ganz verstanden hat.

Zum gekauften Haus gehörte ein acre Land – gut 4.000 Quadratmeter, auf denen zwei Dungeons, Gefängniszellen und Käfige entstanden. Also setzten sie und ihr Partner sich eines Abends hin, warfen Wörter in einen Synonym-Checker und kamen auf: The Acre of Correction.

Die Pointe lieferte einer ihrer Besucher. Nach ihrer Beschreibung kein Sub, sondern ein reiner Masochist. Er gratulierte ihr zum Wortspiel. Sie verstand nicht. Er buchstabierte: ache. Schmerz.

Der Acre, der dich schmerzen lässt. Sie sagt, sie habe es unbewusst getroffen.


Fake-Accounts: eine Warnung an alle Subs

Im Oktober 2023 veröffentlichte Miss Courtney ein Video, das nichts mit Spiel zu tun hat und trotzdem eines ihrer wichtigsten ist: „A diary of a Dominatrix: FAKE SOCIAL MEDIA ACCOUNTS (scammers)“.

Das Muster, das sie beschreibt: Gefälschte Profile übernehmen Profil- und Titelbild, teilen ihre Posts, gehen ihre Followerliste durch und schreiben an. Menschen glauben, sie hätten Kontakt zu ihr. Und zahlen.

So erkennst du nach Miss Courtneys Angaben einen Fake-Account:
Sie schreibt niemanden unaufgefordert über Social Media an. Erstkontakt läuft ausschließlich über ihre Website. Angebliche „Backup-Accounts“, die Nachrichten oder Zahlungsforderungen verschicken, gibt es bei ihr nicht. Und wer sich vergewissern will, navigiert immer von der offiziellen Website zu den Profilen, nie umgekehrt. Im Zweifel: nachfragen, melden, blockieren.

Ihre Wut hat einen greifbaren Grund. Sie erklärt, dass sie rund 80 Prozent ihrer Kleidung für Content selbst kaufe. Dazu Möbel, Dungeon-Ausstattung, Kameras, Licht. Sie reinvestiere einen großen Teil ihres Einkommens ins eigene Geschäft. Gern, weil sie es liebt. Und dann komme jemand, klaue die Arbeit und scamme damit Menschen, die er nicht einmal kennt.

Zur wirtschaftlichen Seite sagt sie im Gespräch mit Mistress Sarah klar: Die Vorstellung, Dominas badeten im Geld, sei falsch. Equipment, Kleidung, Friseur, Reisen, Workshops, Kameratechnik – das koste jeden Monat ohne Ende. Vor diesem Hintergrund empfinde sie Anfragen nach Rabatten als unhöflich.


Was sie von Subs erwartet

Was Miss Courtney am meisten freut: das Gefühl, dass jemand sich wirklich mit ihr beschäftigt hat. Der ihre Informationen gelesen, ein bisschen Content angeschaut hat und deshalb schon spürt, dass es passen könnte. Ihre Begründung ist unsentimental und darin sehr ehrlich: Wer bereits Zeit in sie investiert habe, bekomme ihre Zeit zurück. Unsere Zeit auf der Erde sei begrenzt. Mit wem wir sie verbringen, sei deshalb wichtig.

Der Umkehrschluss: Wer eine Mail schicke mit „Was ist dein Tribut?“ oder „Wo bist du?“, habe die Website nicht gelesen. Und bekomme ihre kostbare Zeit nicht.

Auf ihrer Website ist das inzwischen noch klarer formuliert. Sie belohne die Aufmerksamen und die Kreativen. Die, die sich wirklich angesehen haben, was ihr gefällt und vorbereitet erscheinen. Priorität hätten jene, die eine lange Reise suchen und nicht die schnelle Stunde.


Ein neues Kapitel: Zypern

Ältere Bereiche ihrer Website beschreiben noch ein Leben zwischen mehreren Orten: zwei Dungeons, einer in Central London, einer in Hereford. Hereford als laufendes Projekt, das eines Tages ihr BDSM-Traumrefugium werden soll.

Ihre aktuelle Mitteilung für 2026 ist eindeutiger: Miss Courtney ist nach Zypern gezogen und hat ihre regulären Sessions im Vereinigten Königreich vorerst eingestellt. Ohne Pläne für eine baldige Wiedereröffnung. In Zypern bietet sie inzwischen ausgewählten Bewerbern Sessions an, allerdings nach einem strengen Bewerbungsverfahren. Einen eigenen Dungeon nennt sie dort derzeit nicht. Sie formuliert es so: Man müsse sich das Privileg verdienen. Daneben ist sie online und für FMTY-Reisen verfügbar.

Als Motto steht ein Zitat von André Gide über der Seite: dass manche Menschen erst im Abenteuer dazu kommen, sich selbst zu finden. Für eine Frau, die als Kind über den Atlantik gesegelt ist, ist das keine Dekoration.

Ans Aufhören denke sie nicht. Sie sei auf dem Weg. Sie klettere noch.


Womit sollen Menschen dich verbinden?

Die Frage nach dem Vermächtnis brachte sie im Interview kurz ins Stocken. Umformuliert – womit sollen Menschen dich verbinden? – kam die Antwort schnell: damit, dass sie sich gekümmert hat.

Von der jungen Frau, die nicht Nein sagen konnte, weil sie fürchtete, ausgeschlossen zu werden, bis zu der Frau, die heute sagt „akzeptierst du nicht, was ich tue, habe ich keinen Platz für dich“ – das ist eine bemerkenswerte Reise.

Und diese Reise ist nach ihrer eigenen Erzählung kein Zufall. Sie ist das Ergebnis von zehn Jahren Arbeit an einer Fähigkeit, die weit über das Domina-Studio hinausgeht: klare Grenzen setzen zu können.


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Die Frauen hinter Lady-Sas.com

Lady Sas und Lady Victoria stehen nebeneinander in einer luxuriösen Neo-Noir-Umgebung mit roten Neonlichtern. Beide tragen schwarze Blazer und blicken selbstbewusst in die Kamera. Die roten Lichtreflexe betonen die dunkle, elegante Atmosphäre.

Lady-Sas.com gehört zu den bekanntesten Plattformen für Femdom und BDSM. Hinter der Website stehen Lady Sas und Lady Victoria, zwei private Femdoms aus Frankfurt am Main. Seit 2013 veröffentlichen wir Interviews, Guides, Bücher und Hörbücher rund um weibliche Dominanz, FLR, Keuschhaltung, Cuckolding und BDSM.

Unsere Mission ist es, aufzuklären und Vorurteile abzubauen. Wir unterstützen Frauen und Männer dabei, ihre dominante oder devote Seite selbstbewusst und sicher auszuleben.

Lady-Sas.com ist ein Ort für Wissen, Inspiration und persönliche Weiterentwicklung.

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Quellen

Alle Zitate sind sinngemäß aus dem Englischen übertragen.

  1. „How I became a Dominatrix | Entering the World of BDSM | Miss Courtney Morgan“, YouTube, 06.01.2019.
  2. „Conversation with Sarah & Mistress Courtney – On Femdom, Love & Relationships, Business, Authenticity“, YouTube-Kanal Conversation With Sarah, 22.03.2024.
  3. „A diary of a Dominatrix: FAKE SOCIAL MEDIA ACCOUNTS (scammers)“, YouTube, 11.10.2023.
  4. „I love chastity play!“, YouTube, 25.06.2023.
  5. „How did I come about the name The Acre of Correction?“, YouTube, 15.05.2024.
  6. Offizielle Website misscourtney.co.uk, Rubriken Meet Miss Courtney, All About Miss Courtney, A New Era for 2026, Cyprus, Training (abgerufen im Juli 2026).

Angaben zu Standort, Verfügbarkeit und Kontaktwegen können sich geändert haben. Verbindlich ist ausschließlich ihre offizielle Website.

Alle beschriebenen BDSM-Praktiken finden zwischen erwachsenen Menschen einvernehmlich und freiwillig statt. Dieser Artikel ist eine Dokumentation, keine Anleitung und keine Beratung.

FAQs

1. Wer ist Miss Courtney Morgan?

Miss Courtney Morgan ist eine professionelle Domina, die seit 2014 tätig ist. Ihre Karriere begann in Großbritannien, inzwischen lebt sie auf Zypern und arbeitet dort mit ausgewählten Bewerbern sowie online.

2. Wie wurde Miss Courtney Morgan Domina?

Der Einstieg begann für sie bei einem Fetischevent, auf dem sie ursprünglich nur arbeiten sollte. Später lernte sie im Stockport Dungeon Princess Latina kennen und begann dort, ihre dominante Seite professionell zu entwickeln.

3. Wie beschreibt Miss Courtney Morgan ihren Stil?

Sie bezeichnet ihren Stil als „girlfriend gone bad“. Damit meint sie eine Mischung aus freundlicher, eleganter Ausstrahlung und einer plötzlich deutlich sadistischen und kontrollierenden Seite.

4. Warum nennt sie sich eine fürsorgliche Sadistin?

Miss Courtney beschreibt sich als von Natur aus sadistisch, legt aber zugleich großen Wert auf Sicherheit, Vertrauen und das Wohlergehen ihrer Subs. Sie möchte vor allem damit verbunden werden, dass sie sich um die Menschen in ihrem Umfeld gekümmert hat.

5. Welche Bedeutung haben Grenzen für Miss Courtney Morgan?

Klare Grenzen sind für sie eine Voraussetzung für jede Session. Wer behauptet, keine Limits zu haben, wird von ihr nicht angenommen, weil sie Ehrlichkeit und Verantwortung auf beiden Seiten erwartet.

6. Welche Rolle spielt Psychologie in ihrem Verständnis von BDSM?

Nach ihrer Auffassung ist BDSM vor allem psychologisch. Fantasie, Wahrnehmung, Vertrauen und mentale Stimulation seien wichtiger als die bloße körperliche Intensität einer Praktik.

7. Was erwartet Miss Courtney Morgan von Bewerbern?

Sie erwartet, dass Interessenten ihre Website lesen, sich mit ihrer Arbeit beschäftigen und eine persönliche, sorgfältige Bewerbung verfassen. Kurze Anfragen nach Preis oder Standort ohne erkennbare Vorbereitung beantwortet sie in der Regel nicht.

8. Was macht Miss Courtney Morgan heute auf Zypern?

Auf Zypern bietet sie ausgewählten Bewerbern Sessions an und konzentriert sich außerdem auf Content-Produktion, Custom-Videos und digitale Trainingsprogramme. Reguläre Sessions im Vereinigten Königreich hat sie vorerst eingestellt.

Von

Lady Sas ist Femdom- und BDSM-Autorin sowie Herausgeberin von Lady-Sas.com. Seit 2013 publiziert sie fundierte Guides, Interviews und Bücher zu Femdom, BDSM, Female-Led Relationships (FLR), Cuckolding, Keuschhaltung und Sissyfication. Ziel ihrer Arbeit ist es, zu informieren und zu inspirieren: Lady Sas ermutigt Frauen, ihre dominante Seite bewusst zu leben, und unterstützt Subs dabei, ihre Rolle zu finden, zu verstehen und mit Freude auszufüllen. Immer einvernehmlich, sicher und praxisnah.

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