Mistress Iris aus Los Angeles im Interview

Domina Mistress Iris, Los Angeles, USA
Domina Mistress Iris, Los Angeles, USA

Mistress Iris ist eine beeindruckende Domina aus Los Angeles. Sie ist Expertin für die bittersüße Kunst des Teasings und zugleich Künstlerin, die außergewöhnliche Bilder und Videos erschafft.

Dieses Interview ist Teil unserer Interview-Reihe mit internationalen Dominas. Neu im Thema? Lese unseren Domina-Guide und unseren BDSM Guide für Anfänger.

Interview mit Mistress Iris aus Los Angeles

Lady Sas: Liebe Iris, in meinen Interviews gibt es eine Tradition. Die erste Frage dreht sich immer um den Anfang. Wie bist du mit BDSM in Kontakt gekommen? Wie hat alles begonnen?

Mistress Iris: Ich bin in Japan aufgewachsen, wo Darstellungen von Kink und Fetischen in den Medien recht präsent sind. Deshalb war mir das Thema schon früh vertraut. Ich erinnere mich daran, dass wir uns sogar als elfjährige Schulkinder gegenseitig gefragt haben, ob wir eher „S“ oder „M“ seien – also eher sadistisch beziehungsweise dominant oder masochistisch beziehungsweise submissiv. Ich habe immer gesagt, dass ich „S“ bin. Und ich hatte recht.

Lady Sas: Wie verlief deine Entwicklung zur Domina?

Mistress Iris: Als ich 19 war, lernte ich einen Mann kennen, der von Natur aus eher submissiv war, während ich von Natur aus dominanter war. Zu diesem Zeitpunkt hatte keiner von uns Erfahrung mit BDSM, aber sehr schnell entwickelte sich zwischen uns eine Machtdynamik.

Alles begann mit Teasing. Ich liebte es, mit ihm zu flirten und ihn zu reizen, doch er hätte es nie gewagt, selbst den ersten Schritt zu machen. Mir wurde schnell klar, wie viel Macht mir das gab. Er wurde immer verzweifelter, und dadurch konnte ich ihn dazu bringen, fast alles zu tun, was ich wollte.

Ich ging immer weiter und gemeinsam experimentierten wir mit unterschiedlichen Spielarten. In den folgenden Jahren erforschte ich BDSM auch in meinem Privatleben mit neuen Partnern, entwickelte meine Fähigkeiten weiter und fand immer genauer heraus, was mich interessierte. Nach sechs Jahren entschied ich mich schließlich, professionelle Domina zu werden.

Lady Sas: Was fasziniert dich daran, Herrin zu sein?

Mistress Iris: Was mir an meiner Arbeit als professionelle Herrin besonders gefällt, ist, dass ich ständig mit neuen Kinks und Fetischen in Berührung komme. Ich entdecke immer wieder neue Dinge, die ich erotisch finde.

Besonders spannend ist das bei langjährigen Subs, zu denen ich eine starke Vertrauensbeziehung aufgebaut habe. Mit ihnen kann ich die Grenzen bei jedem gemeinsamen Spiel ein kleines Stück weiter verschieben.

Domina Mistress Iris, Los Angeles, USA
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„BDSM kann ein heiliger Moment sein“

Lady Sas: Hat BDSM deine Sicht auf Männer verändert?

Mistress Iris: Ich glaube, dass mir meine Rolle als FemDom einen besonderen Einblick darin gibt, wie sehr traditionelle männliche Rollenbilder das emotionale Wohlbefinden von Männern beeinträchtigen können.

Man erkennt, wie wichtig es ist, einen Raum zu haben, in dem man verletzlich sein darf – und welchen Schmerz Menschen über Jahre ansammeln können, wenn sie nach außen ständig eine bestimmte Fassade aufrechterhalten müssen und ihr Inneres dabei vernachlässigen.

Ich glaube allerdings, dass Verletzlichkeit ein universelles menschliches Bedürfnis ist. Wenn es im Leben keinen Raum dafür gibt – und in vielen Gesellschaften lernen insbesondere Männer, diese Seite zu unterdrücken –, kann BDSM zu einem beinahe heiligen Moment werden.

Man schenkt der dominanten Person Vertrauen und kann dadurch loslassen, vielleicht sogar für einen Moment sich selbst vergessen.

Ich spiele mit Menschen unterschiedlichster Geschlechtsidentitäten. Auch wenn es bestimmte psychologische Muster bei männlichen Subs geben mag, sind viele Bedürfnisse universell. Sie spiegeln häufig den Wunsch nach Einfachheit und Loslassen in einer Welt wider, die manchmal schmerzhaft komplex geworden ist.

Lady Sas: Du bezeichnest dich als „Connoisseur of Tease“, also als Kennerin der Kunst des Teasings. Wie fühlt es sich für dich an, einen Sub zu reizen?

Mistress Iris: Teasing steht im Zentrum meiner Sexualität. Was mich besonders erregt, ist dieser außergewöhnliche Ausdruck völliger Verzweiflung.

Der Moment, in dem jemand seine Fassade nicht mehr aufrechterhalten kann, seine Würde und seine Selbstbeherrschung verliert und beginnt zu bitten und zu betteln – genau dann habe ich die größte Macht über diese Person. Das ist für mich unglaublich intensiv.

Langes Teasing und psychologische Spiele sind hervorragende Mittel, um jemanden in diesen Zustand zu bringen.

Manche Menschen setzen bei Dominanz stärker auf Zwang oder körperliche Macht. Ich persönlich bevorzuge es, Menschen zu verführen und sie dazu zu bringen, Dinge aus eigenem Antrieb zu tun.

Lady Sas: Ein Sklave verehrt seine Herrin, weiß aber gleichzeitig, dass er sie niemals berühren darf – abgesehen davon, vielleicht ihre Füße zu küssen. Kannst du die Psychologie dahinter erklären?

Mistress Iris: Jede dominante Frau hat natürlich ihre eigenen persönlichen Grenzen, wenn es um den Kontakt mit einem Sub geht.

Ich persönlich liebe es, die Lust anderer Menschen zu kontrollieren. Je stärker jemand mich begehrt, desto mehr reizt es mich, genau dieses Verlangen vor ihm schweben zu lassen – es ihm zu zeigen, es ihm aber gleichzeitig vorzuenthalten und mich an seiner Reaktion zu erfreuen.

Für einen Sub kann dieser Raum zwischen Begehren und Verzweiflung unglaublich berauschend sein.

Es ist ein Tauziehen, bei dem er gleichzeitig das verlierende Team und das Seil selbst ist.

Diese Dynamik kann elektrisierender und intensiver sein als vieles, was Menschen in gewöhnlichen sexuellen Beziehungen erleben. Natürlich gibt es hervorragenden Vanilla-Sex genauso wie schlechtes BDSM – keine Form von Sexualität besitzt ein Monopol auf Qualität oder Mittelmäßigkeit.

„Vorfreude ist das beste Aphrodisiakum“

Lady Sas: Hast du Tipps für Frauen, die ihre Teasing-Fähigkeiten verbessern wollen? Worauf kommt es an?

Mistress Iris: Vorfreude ist das beste Aphrodisiakum.

Frauen sind häufig daran gewöhnt, Männern das zu geben, was sie wollen. Aber sobald du beginnst, Dinge spielerisch vorzuenthalten, wirst du merken, wie viel Macht du dadurch bekommst und welche Spannung daraus entsteht.

Lady Sas: Du reist nach Europa und wirst auch Berlin besuchen. Warum hast du dich für Berlin entschieden? Ist es dein erster Aufenthalt in Deutschland?

Mistress Iris: Ja, es ist tatsächlich mein erstes Mal in Deutschland.

Ich habe allerdings schon sehr viel Gutes über die Kunstszene in Berlin gehört. Ich arbeite sehr gerne mit Künstlern zusammen und erschaffe FemDom-inspirierte Fotografien und Videos. Deshalb hoffe ich, während meines Aufenthalts Arbeiten zu schaffen, die von der Berliner Szene inspiriert sind.

Lady Sas: Welches Bild hast du im Kopf, wenn du an deutsches BDSM denkst?

Mistress Iris: Das Klischee ist natürlich, dass es sehr hardcore ist.

Auch wenn ich sadistische und härtere Spielarten durchaus mag, bin ich definitiv nicht die prototypische kalte und strenge Herrin.

Ich bin eher eine verspielte, erotische Verführerin. Deshalb war ich mir zunächst nicht sicher, ob ich besonders gut in die deutsche Szene passen würde.

Einer meiner langjährigen Subs aus Berlin hat mich allerdings ermutigt, es auszuprobieren. Und deshalb bin ich nun hier.

„Ich präsentiere mich als Tease Mistress“

Lady Sas: Welche Vorlieben sind bei deinen Gästen besonders verbreitet?

Mistress Iris: Definitiv alle Formen von Teasing, denn schließlich präsentiere ich mich als Tease-Mistress.

Auch längere Dates sind sehr beliebt. Manchmal beginnen sie beispielsweise mit einem gemeinsamen Abendessen oder einem Einkaufsbummel. Das Teasing beginnt dann schon lange vor der eigentlichen Session.

Je nach Stimmung kann ich dabei sehr verspielt sein. Manchmal sind es aber auch nur sehr subtile Dinge, etwa Berührungen unter dem Tisch.

Wenn wir schließlich im Spielraum ankommen, ist mein Gegenüber häufig bereits vollkommen aufgelöst.

Lady Sas: Erzähl uns ein wenig über dich persönlich. Was inspiriert dich? Hast du Hobbys?

Mistress Iris: Kink und menschliche Sexualität sind meine große Leidenschaft. Ich beschäftige mich intensiv damit – sowohl privat als auch beruflich.

Meine künstlerische Inspiration ziehe ich aus der Kraft weiblicher Sexualität. Ich versuche, die erotische Energie meiner Subs hervorzulocken und sie anschließend in Kunst zu verwandeln.

Lady Sas: Zum Abschluss: Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Mistress Iris: Als ich begann, meinen Auftritt in den sozialen Medien aufzubauen, bemerkte ich, dass viele meiner Follower gar nicht zu den typischen Konsumenten der Erwachsenenbranche gehören.

Natürlich folgen mir viele männliche und weibliche Subs. Aber gleichzeitig gibt es zahlreiche ganz normale Frauen, die sich davon inspirieren lassen, eine selbstbewusste Frau zu sehen, die ihre Sexualität selbstbestimmt lebt.

Ich möchte deshalb weiterhin Wege finden, Kink stärker mit der allgemeinen Gesellschaft zu verbinden und das Thema auch für Menschen zugänglich zu machen, die diese Welt bisher noch nicht entdeckt haben.

Und natürlich möchte ich dabei weiterhin unbeirrt die Welt dominieren.

Lady Sas: Vielen Dank für das Gespräch.

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Lady Sas ist Femdom- und BDSM-Autorin sowie Herausgeberin von Lady-Sas.com. Seit 2013 publiziert sie fundierte Guides, Interviews und Bücher zu Femdom, BDSM, Female-Led Relationships (FLR), Cuckolding, Keuschhaltung und Sissyfication. Ziel ihrer Arbeit ist es, zu informieren und zu inspirieren: Lady Sas ermutigt Frauen, ihre dominante Seite bewusst zu leben, und unterstützt Subs dabei, ihre Rolle zu finden, zu verstehen und mit Freude auszufüllen. Immer einvernehmlich, sicher und praxisnah.

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