Lady Mephista, Berlin, Zürich, London

Lady Mephista
Lady Mephista

Es gibt Damen, die so interessant sind, dass es mit einem einzigen Interview alleine nicht getan ist. Schließlich geht das Leben munter weiter und es gibt neue Eindrücke und Erfahrungen, über die man sprechen kann. Auf Lady Mephista trifft das ohne Zweifel zu. Inzwischen ist die attraktive Herrin nicht nur in Berlin anzutreffen, sie hat nun auch Fans in London und Zürich – vom Other World Kingdom (OWK) ganz zu schweigen. Hier also Interview Nummer 2. Darunter findest Du das erste Interview.

Lady Mephista im Interview

Lady Sas: Liebe Mephista, was gibt es Neues bei Dir?

Lady Mephista: Ich denke die wesentliche Veränderung ist, dass ich inzwischen stärker international unterwegs bin. Meine Reisen haben mich unter anderem nach Zürich, London und in das Other World Kingdom in Tschechien geführt. Das Kennenlernen neuer Orte aber auch herausragender Persönlichkeiten desFemDom ist eine enorme Bereicherung.

Lady Sas: In welchen Bereichen konntest Du Dich besonders weiterentwickeln?

Lady Mephista :Ich bin mit einem sehr technischen Bezug in das Thema eingestiegen, bin aber im Laufe der Jahre immer tiefer in die psychologischenAspekte des BDSM eingedrungen.Während ich in meinen ersten Jahren mich in Sessions umso wohler fühlte, je komplexer eine Session in Bezug auf ihren technischen Aufbau war, weiß ich inzwischen mehr und mehr die leisen Töne eines schlichteren dafür aber auch tiefer gehenden Spiels zu schätzen. Zeit spielt dabei eine sehr wichtige Rolle, denn jedes Instrument braucht einen gewissen Raum, um seine Wirkung ganz entfalten zu können.Das heißt keineswegs, dass meine Sessions nun nur noch getragenen Charakter haben, ganz im Gegenteil: Wenn ich spüre, dass mein Gegenüber mitgeht, erhöhe ich das Tempo bis wir uns gemeinsam auf einen rasanten Rhythmus einschwingen – sodass, wenn ich mein Ziel erreicht habe, der Augenblick alles ist, was zählt. 

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Lady Mephista: Berlin, Zürich, London

Lady Sas: Du gastierst auch in London und Zürich, bist abereigentlich in Berlin zuhause. Worin liegen für Dich alsFemdom die Unterschiede zwischen diesen drei Städten,wenn es um Subs und Sessions geht?

Lady Mephista: Abgesehen von unterschiedlichen Konventionen bei der Terminvereinbarung (die E-Mails der Londoner Subs fallen in der Regel kürzer aus als die Anfragen aus Deutschland und der Schweiz) ist es schwer allgemeine Unterschiede auszumachen ohne ins klischeehafte abzurutschen. Die Fähigkeit zur Hingabe ist etwas Universelles. Bei gelungenen Sessions, in denen sich mein Gegenüber ganz in den Subspace begibt, gibt es keine kulturellen Unterschiede mehr. 

Lady Sas: Inzwischen hast Du auch im OWK Videosgedreht. Ich dachte eigentlich, das OWK sei geschlossen.Oder etwa doch nicht? 

Lady Mephista: Das OWK ist seit letztem Jahr wieder geöffnet. Derzeit finden dort vor allem Videodrehs, aber auch erste Events statt. So werde ich dieses Jahr im Oktober am SpankingDay die Bestrafung einiger Sklaven vornehmen. Ich freue mich schon sehr darauf.

Lady Sas: Wie hast Du die Drehs im OWK in Erinnerung?

Lady Mephista: Mir hat das Drehen im OWK sehr viel Freude bereitet. Die gesamte Filmcrew war sehr zuvorkommend und die männlichen Darsteller wunderbar devot und masochistisch. Ich hatte völlig freie Hand bei der Gestaltung der Clips und konnte festlegen in welchem Raum wir welche Szenen drehten. Solche Freiheiten zu haben gibt mir eine enorme Energie. Ich denke das ist in den Clips auch zu spüren. 

Domina Lady Mephista
Domina Lady Mephista

Lady Mephistas lang gehegter Traum

Lady Sas: Wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus?

Lady Mephista: Ich möchte den bereits eingeschlagenen Weg weiter verfolgen und auch weitere Orte und Persönlichkeiten kennenlernen. Ein lang gehegter Wunsch von mir ist es, einmal für einen längeren Zeitraum nach Japan zu gehen um dort unter anderem Kinbaku Kurse bei japanischen Meistern zu besuchen. In gewisser Weise würde ich damit wieder an meine Anfänge im BDSM anschließen. Wie ich in unserem ersten Interview erzählt habe, war ja japanisches Bondage und meine ersten Erfahrungen als Rigger (so nennt man die Bondage-Tops) eine ArtInitiation für mich. 

Lady Sas: Danke für diese Einblicke.

Das erste Interview mit Lady Mephista.

Sie ist jung, schön und gertenschlank. Domina Lady Mephista aus Berlin zwingt aber nicht nur durch äußerliche Attribute in die Knie, sondern auch durch ihren Geist und Intellekt. So ist es durchaus selten, dass ich in einem Interview mit Überlegungen zu Goethes Faust konfrontiert werde. Die Bondageexpertin (Shibari) ist eine fesselnde Persönlichkeit, die auch in der Klassischen Erziehung, in der Klinik und bei Latex/Gummi zuhause ist. 


Lady Sas: Liebe Lady Mephista, wie es gute Tradition, frage ich Dich zunächst nach Deinem Werdegang. Wie kam es dazu, dass Du als Domina tätig bist?

Domina Lady Mephista: Mein Interesse für BDSM entdeckte ich über die Bilder von Nobuyoshi Araki. In meiner Schulzeit ging ich oft in einen Zeitschriftenladen der direkt auf dem Weg zur Schule lag. Eines Tages fand ich dort in der Auslage einen Bildband von Araki – es war eine Offenbarung. Allein die Bilder gefesselter Körper anzusehen war erregend, doch wie musste es erst sein, selbst Hand anzulegen, Menschen zu fesseln und wehrlos zu machen!

Als ich vor ein paar Jahren nach Berlin kam, suchte ich nach Orten um Shibari zu lernen und wurde glücklicherweise fündig. Der Austausch mit anderen Riggern war sehr inspirierend, doch anders als bei den meisten war für mich Bondage immer weniger Selbstzweck. Vielmehr wollte ich die Wehrlosigkeit meines gefesselten Gegenübers nutzen, um ganz andere Dinge auszuprobieren. Es begann mit einfachen Mitteln: Hände, Klammern, Schlaginstrumente. Als ich begann über weitere Formen der Restriktion und Stromspiele nachzudenken, war für mich der Zeitpunkt gekommen, in ein Studio zu gehen.

Lady Sas: Bei Mephista denke ich an Mephisto aus Goethes Faust. Ist diese Assoziation beabsichtigt? Was hat es mit dem Namen auf sich?

Domina Lady Mephista: Es stimmt, diese Assoziation ist tatsächlich beabsichtigt. Im Mittelpunkt des Namens steht aber nicht so sehr meine Verbundenheit mit Goethe, es ist vielmehr der libertäre Geist, den Mephistopheles im Faust vertritt. Um die Weltenordung aufrecht zu erhalten, verbannt Goethe den Freigeist, der sich abseits der Normen bewegt in die Schattenwelt, er wird zum Gegenbild von Gott gemacht und damit zu etwas bösem. Jeder kennt noch aus der Schule das naive Gretchen und die mit der Figur berühmt gewordene Gretchenfrage. Als ich das erste mal “Justine oder vom Missgeschick der Tugend” des Marquis de Sade las, musste ich sofort an Gretchen denken. Anders als Goethe schenkt de Sade seiner Tugendhaften Figur keine Erlösung, er kontrastiert sie vielmehr mit ihrer Schwester Juliette, die durch ihr unmoralisches Verhalten glücklich wird. Natürlich sind nicht alle Moralvorstellungen der Gesellschaft falsch, doch gerade in puncto Sexualmoral herrscht noch eine erstaunliche Prüderie vor, über die auch der seichte Plüschsadomasochismus einschlägiger Bestsellertitel nicht hinwegtäuschen kann.


Mistress Mephista
Mistress Lady Mephista
Herrin Mephista

Lady Mephista über den Reiz einer Erziehung.

Lady Sas: Was reizt Dich daran, einen Sklaven zu erziehen?

Domina Lady Mephista: Ich liebe es, Dinge selbst zu gestalten und zu formen, da sind meine Sklaven keine Ausnahme. Der Reiz ist umso größer, wenn der Sub wirklich bereit ist, diese Formung zuzulassen und sich nach und nach meinen Vorstellungen zu fügen. Jeder Mensch ist anders, und so stoße ich auch bei der Sklavenerziehung je nach Gegenüber auf unterschiedliche Facetten die ich reizvoll finde.


Lady Sas: Hast Du schon mal einen Studio-Gast im Alltag erkannt? Wie reagiert man da?

Domina Lady Mephista: Das habe ich bisher noch nicht erlebt. Sollte es jedoch eines Tages passieren, werde ich in jedem Fall Diskretion wahren, ich will ja niemanden in eine unangenehme Situation bringen.

Lady Sas: Ich beobachte immer wieder den Wunsch meines Subs nach einer ständigen Steigerung. Es muss immer intensiver werden. Jeder Kick soll den nächsten noch in den Schatten stellen. Beobachtest Du auch solche Tendenzen? Und wenn ja: Wie gehst Du damit um?

Domina Lady Mephista: Meine bisherige Erfahrung ist, dass sich das Bedürfnis nach einer Steigerung umso mehr entwickelt, je vertrauter man sich wird. Insofern muss eine Steigerung zunächst nichts Schlechtes bedeuten. Und um ehrlich zu sein, freue ich mich bei den meisten sogar, wenn sie etwas mehr zulassen; ein intensives Spiel ist auch mir wichtig: Der Ekstase beizuwohnen, wenn der Schmerz zum Rausch wird, gleicht einem Spektakel, bei dem ich Regie führe. Damit befriedigt dieser Akt zugleich meinen Gestaltungswillen und meinen Voyeurismus. Solche Grenzgänge können verschlossene Türen öffnen und sind für beide Seiten befreiend. Anders ist es, wenn ich merke, dass die Bedürfnisse des Subs eindeutig einen destruktiven Charakter haben. Der Körper und Geist desjenigen, mit dem ich spiele, darf ruhig gefordert werden, wenn ich jedoch merke dass jemand bei mir ausschließlich seine Autoaggressivität ausleben möchte und seine geistige und körperliche Gesundheit nicht wertschätzt, ist für mich eindeutig eine rote Linie überschritten.

BDSM Mephista

Lady Mephista


Die Herrin ist zeitweise erreichbar in Berlin, Zürich und London.

Restriktion ist oft ein wesentliches Element der Session.

Lady Sas: Jeder Gast ist anders. Aber gibt es Wünsche, die Gäste besonders häufig äußern?

Domina Lady Mephista: Bei den meisten meiner Gäste ist Restriktion ein ganz wesentliches Element. Das liegt natürlich ein meiner eigenen Profilierung – ich bin ja über Bondage zum BDSM gekommen und damit sind jegliche Formen von Einschränkung; von Predicament, über Fixierung einzelner Körperteile bis hin zu völliger Bewegungsunfähigkeit für mich ein ganz wesentliches Element meines Spiels.

Lady Sas: Hast Du schon mal das Gefühl gehabt, dass Du einen Sklaven vor sich selbst schützen musst? Im Sinne von: Also, jetzt mal langsam, das kannst du nicht ernsthaft wollen.

Domina Lady Mephista: Bei denjenigen, die man vor sich selbst schützen muss gibt es zwei Kategorien: Diejenigen die einfach nicht wissen was sie tun. Sie haben beispielsweise einen besonders krassen Film gesehen, und wollen das jetzt auch erleben; dabei haben sie keine Ahnung was das konkret für sie bedeutet. Viele, die in diese Kategorie gehören geben an, sehr erfahren zu sein. Zum Glück kann man sie anhand weniger Fragen schnell entlarven. Diese Kategorie ist harmlos, da sie nach etwas Aufklärungsarbeit meist von ihrer ursprünglichen Idee abkommen und etwas Machbares erleben wollen. Die zweite Kategorie habe ich schon erwähnt: Es sind die Autoaggressiven die ohne Rücksicht auf ihre geistige und körperliche Gesundheit Spiele erleben wollen, die einen fast ausschließlich destruktiven Charakter haben. Solche Spiele lehne ich rundweg ab.

Lady Mephista: „Der Ekstase beizuwohnen, wenn der Schmerz zum Rausch wird, gleicht einem Spektakel, bei dem ich Regie führe.“

Lady Sas: Nackte Tatsachen sind nichts besonderes mehr. Man sieht sie in Zeitschriften und im Internet. Ist BDSM der Wunsch, in der Erotik wieder verbotene Wege gehen zu wollen?

Domina Lady Mephista: Auch die Darstellung von BDSM wird immer alltäglicher. Doch viele, die sich danach sehnen, schaffen es nur selten, Partner zu finden, die ihr Interesse teilen. Über sexuelle Fantasien zu reden, ist noch immer ein Tabu. Vielleicht geht es also tatsächlich um den Reiz den Verbotenen. Für diejenigen, die zu einer klassischen Domina gehen, gibt es aber auch einen anderen Aspekt. Sie haben ja die freie Wahl, sie könnten auch zu Frauen gehen, die ihren nackten Körper anbieten. Doch die Kleidung, die ich als Domina trage, ist keine schamhafte Verhüllung, sie dient nicht dem Verbergen, ist also nichts Defizitäres. Vielmehr wird der Körper durch seine äußere Hülle zum Heiligtum. Die Kleidung ist genauso ein Instrument wie die Peitsche oder der Pranger, sie betont den Körper indem sie ihn umschließt und unzugänglich macht. Die Hierarchien zwischen Sklave und Herrin sind unmittelbar erkennbar, da die Kleidung, die auch Schmuck ist, der Repräsentation dient.

Domina Mephista

Die Kleidung ist genauso ein Instrument wie die Peitsche oder der Pranger, sie betont den Körper indem sie ihn umschließt und unzugänglich macht.

Domina

Ein besonders eindrückliches Erlebnis.

Lady Sas: Gibt es eine Session, die Dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Domina Lady Mephista: Eine einzelne Session hervorzuheben ist gar nicht so einfach, weil mir aus vielen Spielen vor allem bestimmte Momente in Erinnerung geblieben sind. Besonders eindrücklich war vielleicht das Erlebnis mit einem Gast, der noch keinerlei Vorerfahrung hatte. In der Regel dauert es seine Zeit, bis ein Sub zu sich selbst gefunden hat und insofern werden die Spiele erst mit der Zeit richtig interessant. In diesem Fall jedoch traf ich einen jungen Mann der offensichtlich etwas in sich hatte, von dem er bisher nichts geahnt hatte. Er war erstaunlich belastbar und wir fanden sofort eine Ebene in der es keine Worte mehr benötigte. Solche Spiele sind für mich sehr wertvoll.

Lady Sas: Wenn Du Dir ein SM-Gerät wünschen dürftest, das es noch nicht gibt, welches wäre das wohl?

Domina Lady Mephista: Ach, da gibt es so vieles! Ich habe ein Faible für Mensch-Maschineschnittstellen. Ich denke da wird in den nächsten Jahren noch einiges auf uns zukommen. Ein fernsteuerbarer Exoskelet für meine Sklaven wäre ein toller Einstieg. Das geht weit über die Kontrolle eines Remote-Stromgeräts hinaus, denn de facto kann ein Sklave, der ein solches Exoskelet trägt nur noch die Bewegungen ausführen, die sich ihn ausführen lasse, mit dem Exoskelet wird also auch er Ferngesteuert. Man könnte ihn sogar dazu bringen sich selbst auszupeitschen, herrlich!

Lady Sas: Na, das wäre mal was! Danke für das Interview.

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